Frequently Asked Questions

Können Sie mir Adressen in der Nähe meines Wohnortes nennen, wo ich/mein Kind kompetent untersucht und behandelt werden kann?

Ich bin erwachsen und schiele. Lässt sich das in meinen Alter noch korrigieren?

Ich schiele und/oder bin auf einem Auge schwachsichtig. Mit der verordneten Brille sehe ich nicht besser. Muss ich sie trotzdem tragen?

Ich bin bereits einmal wegen Schielen operiert worden. Es besteht aber immer noch/jetzt wieder eine Schielstellung, die mich stört. Ist eine Korrektur möglich?

Nach einer Schieloperation kam es bei mir nach Monaten bzw. Jahren wieder zu einem stärkeren Schielen. Muss ich mit dem gleichen Verlauf rechnen, wenn ich mich noch einmal operieren lasse?

Unser Kind schielt gelegentlich, insbesondere bei Müdigkeit. Bei einer Untersuchung wurde aber gesagt, dass alles in Ordnung sei und kein Schielen bestehe. Wie kann man diesen Widerspruch erklären?

Unser Kind wird wegen einer Schwachsichtigkeit (Amblyopie) behandelt. Es gibt aber große Probleme mit dem Abkleben wegen ... (Allergie/starker Abwehr/anderer Gründe). Gibt es Alternativen zu der Pflasterbehandlung?



 
 

Können Sie mir Adressen in der Nähe meines Wohnortes nennen, wo ich/mein Kind kompetent untersucht und behandelt werden kann?

Wir sprechen grundsätzlich keine Empfehlungen aus. Erstens könnte unsere Einschätzung nicht stimmen und zweitens kennen wir auch nicht alle Fachkollegen. Es ist uns aber bekannt, daß es nicht leicht ist, eine in den Bereichen Kinderaugenheilkunde und Schielbehandlung kompetente Augenarztpraxis oder Augenklinik zu finden.

Leider gibt es für die Augenärzte, die sich für Kinderaugenheilkunde und Schielbehandlung interessieren, nicht die Möglichkeit, eine Zusatzbezeichnung zu erwerben. Beispielsweise besteht für verschiedene Fachärzte die Möglichkeit, die Zusatzbezeichnung Allergologie zu erwerben. Der Arzt darf sich diese Bezeichnung dann auf sein Praxisschild schreiben und jedermann weiß, dass dieser Arzt in diesem Gebiet besonders ausgebildet ist.

Sie können sich erkundigen, ob die Augenärztin/der Augenarzt Ihrer Wahl eine Sehschule hat, bzw. ob er eine Orthoptistin/einen Orthoptisten angestellt hat. Eine Orthoptistin hat eine mehrjährige Ausbildung im Bereich Schielbehandlung absolviert. Es gibt aber auch Augenärzte, die wegen der angespannten finanziellen Situation im Gesundheitswesen keine Orthoptistin beschäftigen, weil sie gerade in diesem Bereich selbst gut ausgebildet sind.

An vielen Kliniken ist die strabologische Situation unbefriedigend. So haben z.B. die meisten Universitätskliniken keine eigenständige Abteilung für dieses Fachgebiet. Darüber hinaus werden derzeit unter dem Vorwand der Kostenersparnis peu à peu bisher eigenständige Abteilungen aufgelöst. Dadurch werden die vorhandenen Klinikstellen für strabologisch ausgebildete Fach- und Oberärzte zunehmend uninteressant. Die Chefärzte selbst sind oftmals sehr speziell für eine andere Subdisziplin der Augenheilkunde ausgebildet worden, d.h. im Klartext: die meisten sind heutzutage Spezialisten für Netzhaut und Glaskörperchirurgie. Unter diesen Umständen leidet wiederum die strabologische Ausbildung junger Augenärzte und mancherorts auch die der Orthoptistinnen.

Glückwunsch! Sie sind ja schon dabei, sich mit Hilfe des Internets, selbst ein Bild zu machen. Durch die Selbstdarstellungen können Sie herausfinden, wo die Schwerpunkte liegen.

 
 

Ich bin erwachsen und schiele. Lässt sich das in meinen Alter noch korrigieren?

Ja. Alter ist grundsätzlich kein Hinderungsgrund für eine operative Korrektion. Selbstverständlich müssen vorher sorgfältig alle Risiken festgestellt, besprochen und wenn möglich beseitigt werden. So kann es zum Beispiel sein, dass die Gefahr von Doppelbildern besteht, weil das Gehirn die Schielstellung als den Normalzustand empfindet und den Parallelstand der Augen bereits als eine Schielstellung der anderen Richtung wahrnimmt. Um dieses Risiko vor der Operation zu klären, ist ein Ausgleich mit Prismen erforderlich. Diese rufen jedoch insbesondere bei höheren Werten Bildverzerrungen, Unscharfsehen und Störungen der egozentrischen Lokalisation hervor, die oft als sehr störend empfunden werden. Darüber hinaus ist es auch möglich an einem speziellen Gerät ohne Prismen den Schielwinkel für Testzwecke auszugleichen. Falls sich bei diesen Tests zeigt, dass Doppelbildgefahr besteht, ist eine Operation nicht in allen Fällen abzulehnen. Die Erfahrung hat gezeigt, dass die Doppelbilder in vielen Fällen nach einer Operation doch nicht auftraten oder nur wenig störten, bzw. nur bei Konzentration wahrgenommen wurden.

Hier ist also eine sorgfältige Untersuchung und Beratung ganz besonders wichtig.

 
 

Ich schiele und/oder bin auf einem Auge schwachsichtig. Mit der Brille, die mir meine Augenärztin/mein Augenarzt verordnet hat, sehe ich nicht besser. Muss ich sie trotzdem tragen?

Da im Erwachsenenalter keine Amblyopiegefahr mehr droht, verfahren wir nach dem Grundsatz, dass ein erwachsener Mensch selbst entscheiden kann, ob er eine Brille tragen möchte. Wir passen jedoch auch für ein schwachsichtiges Auge immer erst einmal das optimal passende Brillenglas an. Bei einer Amblyopie ist nämlich das periphere Sehen viel besser als das zentrale, so dass der Patient durchaus einen Unterschied feststellen kann.

Oftmals ergibt sich aber das Problem, dass die Brillengläser unterschiedlich stark sind oder sein müssten. Das kann zu unterschiedlich großen Bildern (Aniseikonie) führen oder - was noch häufiger stört - zu unterschiedlich schneller Bewegung der Umwelt bei Seitblick (Anisophorie). Dann muss nach einem verträglichen Kompromiss gesucht werden.

Patienten mit einem Innenschielen weisen häufig einen größeren Schielwinkel auf, wenn sie keine Brille tragen. Wenn gleichzeitig eine Weitsichtigkeit besteht, macht sich hier das akkommodative Schielen bemerkbar. Dann ist es auf jeden Fall ratsam, eine Brille mit den optimalen Refraktionswerten zu tragen. Das Tragen von Kontaktlinsen ist in den meisten Fällen auch möglich.

 
 

Ich bin bereits einmal wegen Schielen operiert worden. Es besteht aber immer noch oder jetzt wieder eine Schielstellung, die mich stört. Ist es möglich diesen Zustand zu korrigieren?

Ja, eine Operation ist in jedem Lebensalter möglich und oftmals sinnvoll. Die Operation kann jedoch durch Narbenbildung erschwert sein, so dass die Operation von einem erfahrenen Operateur durchgeführt werden sollte. Vor einer Operation bei Jugendlichen oder Erwachsenen muss unbedingt das Doppelbildrisiko geklärt werden.

 
 

Nach einer Schieloperation kam es bei mir nach Monaten bzw. Jahren wieder zu einem stärkeren Schielen. Muss ich mit dem gleichen Verlauf rechnen, wenn ich mich noch einmal zu einer Operation entschließen sollte?

Es ist leider ein bekanntes Problem, dass sich nach einer Schieloperation wieder der Schielwinkel vergrößern oder sogar ein Schielen in die andere Richtung auftreten kann. Bei der häufigsten Form des Schielen, dem Innenschielen, das in früher Kindheit einsetzt, kommt es insbesondere nach Muskel-verlängernden Eingriffen häufig nach Jahren zu einem Außenschielen. Gerade diese Schielform hat nämlich ihre Ursache nicht in zu langen oder zu kurzen Muskeln, sondern in einer innervationellen Fehlfunktion. Wir führen deswegen bei diesen Patienten eine sogenannte Fadenoperation durch, die nicht das Auge umlagert, sondern die innervationellen Impulse durch Verminderung des Drehmoments des Muskels abfängt.

Wir planen zu diesem Thema weitere Infoseiten, so dass Sie sich bald auch hierzu detailliert informieren können.

 
 

Unser Kind schielt gelegentlich, insbesondere bei Müdigkeit. Bei einer Untersuchung wurde aber gesagt, dass alles in Ordnung sei und kein Schielen bestehe. Wie kann man diesen Widerspruch erklären?

Schielen ist praktisch nie ein statischer Zustand. Bei fast allen Patienten ist zu beobachten, dass sie unter Anstrengung, Stress oder Müdigkeit stärker schielen. Genau so kommt es vor, dass erst unter diesen Umständen das beidäugige Sehen dekompensiert und ein Schielen auftritt. Eine augenärztliche Untersuchung ist also immer nur eine Momentaufnahme. Dennoch kann meist eine weitgehend objektive Feststellung, die auch die Winkelschwankungen erfasst, getroffen werden.

Wenn ein Kind gelegentlich schielt, muss immer zuerst eine Weitsichtigkeit ausgeschlossen oder das Ausmaß derselben festgestellt werden. Weil aber bei Kindern durch mühelose, unbewusste stärkere Verkrümmung der eigenen Linse (Akkommodation) Normalsichtigkeit oder sogar Kurzsichtigkeit vorgetäuscht werden kann, muss die Untersuchung immer mit Tropfengabe erfolgen. Diese Tropfen lähmen vorübergehend den Muskel, der die Linse anspannt. Die damit einhergehende Pupillenerweiterung wird genutzt, um gleichzeitig eine genaue Untersuchung des Augenhintergrunds vorzunehmen. Die Tropfen sind auch bei wiederholter Gabe in der Regel nicht schädlich. Es gibt Patienten, die diese Tropfen aus therapeutischen Gründen bei bestimmten Krankheiten über längere Zeiträume täglich nehmen müssen.

 
 

Unser Kind wird wegen einer Schwachsichtigkeit (Amblyopie) behandelt. Es gibt aber große Probleme mit dem Abkleben wegen ... (Allergie/starker Abwehr/anderer Gründe). Gibt es Alternativen zu der Pflasterbehandlung?

Lesen Sie hierzu unsere Seiten, die sich mit dem Thema Amblyopiebehandlung befassen. Wenn eine Pflasterbehandlung nicht möglich ist, gibt es folgende Alternativen:

  1. Behandlung mit Folie auf dem Brillenglas: Diese Behandlung wird auch nicht glücken, wenn eine Pflasterbehandlung wegen der Abwehr des Kindes erschwert ist, denn die Brille mit der Folie, durch die man nicht gut sieht, kann noch leichter abgerissen werden. Wenn dagegen die Mitarbeit gut ist, und die Sehschärfe bereits gebessert ist, ist das Abkleben mit Brillenglasfolie unsere Methode der Wahl!
  2. Eine Alternative zur Folienokklusion besteht seit kurzem in einer speziellen Augenklappe namens «luxeye», die auf die Brille geknüpft wird. Sie ist in 3 verschieden Größen und in verschiedenen Farben für das rechte oder linke Auge erhältlich und ist wirklich witzig gemacht. Es gelten allerdings die gleichen Einschränkungen wie für die weniger auffällige Folienokklusion. Info: www.luxeye.de.
  3. Atropin-Augentropfen: Atropin lähmt den Augenmuskel, der die eigene Linse anspannt. Das Auge kann dann nicht mehr für die Nähe scharf gestellt werden. Wenn also das bessere Auge getropft wird, kann in der Nähe nur noch mit dem anderen, also dem amblyopen Auge scharf gesehen werden. Das Prinzip funktioniert natürlich nur, wenn die Sehschärfe des amblyopen Auges dann in der Nähe wirklich besser ist. Ansonsten wird das Kind versuchen, sich mit dem getropften Auge unter großer Anstrengung zu behelfen, wodurch die Behandlung zu einer sinnlosen Quälerei wird. Fazit: Diese Alternative ist ebenfalls nur bei bereits gebesserten oder weniger stark ausgeprägten Amblyopien sinnvoll. In jedem Fall muss mit den Tropfen geprüft werden, ob in der Nähe tatsächlich das amblyope Auge benutzt wird, da andernfalls die Therapie abgebrochen werden sollte. Darüber hinaus ist zu bedenken, dass Atropin - das zwar natürlicherweise im Körper vorkommt - in höheren Dosen tödlich wirken kann. Bei einer Verwahrung an einer für Kinder zugänglichen Stelle besteht also eine ernste Gefährdung!

© 2008 Dr. W. Happe

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